VORSTELLUNG
Ich habe Philosophie zufällig studiert. Ursprünglich wollte ich germanische Philologie studieren, allerdings war meine Vornote nicht ausreichend. -- ich war auch etwas spät dran für eine Immatrikulation. Nach viel bürokratischen Aufwand wurde ich endlich an einer Universität aufgenommen. Ich war kein außerordentlich guter Student, obwohl ich mich sehr für Philosophie interessierte.
Ich war verloren. Ich wusste es zu diesem Zeitpunkt noch nicht, aber ich hatte schon damals keine Chance. Ich hatte zu viel Interesse an zu vielen Dingen, ich war zu zerstreut. Je älter ich wurde je mehr nahm diese Einstellung und das zerstreute an Interesse ab. Ich studierte Deutsch und ein Jahr später fing ich an, Türkisch und Arabisch zu lernen. Und ich wollte mehr. In meinem dritten Jahr in Philosophie kam ich zu dem Entschluss, dass ich auch Geschichte lernen sollte, wenn ich Philosophie wirklich verstehen wollte. Aber diese Gedanken, warf auch die Frage auf: --wie wissen wir, dass dies oder jenes Ereignis passiert ist? Wahrheit und Objektivität brachten mich zurück zur Philosophie. Und das war nicht alles --wie kann man wissen, was ein Philosoph denkt, wenn man die Sprache des Werkes nicht gut kennt? Bis dahin wollte ich Deutsch lernen, jetzt musste ich Deutsch lernen. Und auch Lateinisch, Türkisch, Alt Griechisch, Arabisch...
Ich entschied mich auch dafür malen zu lernen. Ich hatte viel gezeicht, als ich jünger war, aber das meiste vergessen. In 2017 bekam ich ein Buch über Gemälde. Das Vorwort schien mir reine Philosophie zu sein. Zeichen und Malen seien die Kunst unsere Wahrnehmung zu heilen. Unsere vorgefassten Meinungen hindern uns daran, die Welt mit Objektivität wahrzunehmen. Deswegen fällt es uns zu schwer Perspektiven zu wechseln. Unsere "platonische" Idee sagt uns, dass ein Quadrat in jeder Ecke 90º Grad hat. Aber wenn man ein Quadrat in der Wirklichkeit sieht, ist das Quadrat aus unserer Perspektive immer entstellt, gar deformiert. Ist es nicht die philosophische Tätigkeit, unsere Wahrnehmung zu heilen? War es nicht etwa die wissenschaftliche Revolution, sondern die philosophische Aufgabe, uns vom erhaltenen geozentrischen Weltbild zu heilen?
Ich bin mir sicher, dass ich endlich verstanden habe, was Philosophie bedeutet. Und dieses Verständnis habe ich nicht an der Universität erlangt, sondern als ich viele andere Tätigkeiten ausübte. Mein ungewöhnlicher Weg des Lernens zeichnet sich ab meinem Lebenslauf wieder, welcher für Außenstehende katastrophal und sinnlos aussehen muss. Unsere Welt hat aber mich bestraft. Auch ich selbst stehe vor der Frage, welchen Beitrag ich für die Gesellschaft leisten kann. Was kann ich erschaffen, teilen, beitragen? Alles was ich bin und habe, all das hinterlasse ich hier, lose runter geschrieben oder eingerahmt in Bildern, Zeichnungen und in Video Clips. Es stellt sich die Frage was ich bin, wer ich bin und was ich „besitze“. Und das ist eine gute Frage.
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